Auf gute Nachbarschaft

Siegfried Martin und Heiko Timm
Bildrechte Romi Löbhard

Der Blick über den Tellerrand ist dem neuen Pfarrer der Paulusgemeinde wichtig

Großes Interesse an der Amtseinführung von Heiko Timm in Kaufering. Der Norddeutsche kennt den Landkreis bereits. Dekan Jörg Hammerbacher lobt die Pfarrgemeinde.

Im Sommer 2024 verabschiedete sich der langjährige Pfarrer Jürgen Nitz von der evangelischen Paulusgemeinde in Kaufering. Jetzt ist die Stelle wieder besetzt. „Das Pfarrhaus stand eineinhalb Jahre lang nicht nur leer, weil es renoviert wurde, sondern auch, weil kein Pfarrer da war“, sagte Vertrauensfrau Sabine Guddat zu Beginn der Einführung des neuen Pfarrers Heiko Timm. Umso erfreulich sei gewesen, als dort Möbelwagen vorfuhren, als Fenster hell leuchteten, ein Stern aufgehängt wurde.

Dekan Jörg Hammerbacher griff das Bild bei seiner Einführungsansprache auf. „Hoffen wir, dass es möglichst lange Weihnachten bleibt.“ Die Einführung von Pfarrer Heiko Timm war von solch großem Interesse, dass die Kirchenbänke nicht ausreichten. Helfer schleppten zusätzlich Stühle aus dem Gemeindesaal heran. Dass Musik eine große Rolle spielen sollte, wurde von Beginn an deutlich. Der Posaunenchor begleitete Heiko Timm in die Kirche und am Ende hinaus. Silvia Elvers und Cornelia Meyer spielten vierhändig an der Orgel, der Chor Vocalissimo sang und auch die hauseigene Band war verschiedentlich im Einsatz.

Nach Besinnung, Lesungen und Gebet war Dekan Jörg Hammerbacher in seiner Ansprache vor allem voll des Lobes über die Kauferinger Paulusgemeinde. „Gabenorientiert? Hier passiert’s! Kaufering macht das längst, hier werden Gaben gelebt.“ Hier bestehe eine Gemeinschaft, die trägt, und der Pfarrer sollte Teil davon sein. Es sollte einer sein, der Gespür hat für die Energie im System, für Gemeinschaft, für Qualität. Kaufering zu leiten, sei eine große Aufgabe, aber auch ein großer Schatz. „Steht ihm bei“, sagte Hammerbacher an die Gemeinde gewandt, „aber prüft auch seine Worte.“

Für die Segnung holte Timm drei Frauen als Assistenz. Es waren Sabine Guddat, mit der er vor Amtsantritt einige Zoom-Konferenzen führte, die Uttinger Pfarrerin Alexandra Eberhardt, bei der er während des dreijährigen Vikariats viel lernte und seine Frau Lydia. In seiner ersten Predigt in der Pauluskirche sprach Timm viel über (Ver)trauen. Menschen sagen oft ‚ich kann nicht‘. Ihnen möchte er sagen „trau dich, vertrau auf Gott, lass mal los“. Das gelte auch für den Blick auf diese Kirche mit ihren Austritten, steigenden Kosten. „Gott ist hier, manchmal versetzt er Berge“, ist sich Timm sicher.
 
Allerdings: „Gottes Timing verlangt Geduld.“ Gottes Liebe sei stark wie ein glühender Backofen. „Stellen wir diesen ins Zentrum, damit alle sich an dieser Liebe wärmen können.“ Bei den Grußworten freute sich Bürgermeister Thomas Salzberger auf die Fortführung der gelebten Offenheit und Zusammenarbeit. „Gehen Sie Ihre eigenen Wege und nehmen Sie die Kauferinger dabei mit“, wünschte sich Marktgemeinderätin und Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel. Gute Wünsche überbrachte auch ein Vertreter von Jugend mit einer Mission im Hurlacher Schloss. „Auf gute Nachbarschaft!“, so fasste Pfarrer Siegfried Martin von der Landsberger Christuskirche seine Wünsche an Timm zusammen.

Dieser ist in Norddeutschland geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte er zunächst Musikwissenschaft in Hamburg und entschied sich erst später für Theologie und den jetzigen Beruf. Geprägt hat ihn nicht nur ein zweijähriger Aufenthalt in einer anglikanischen, missionarisch geprägten Gemeinde in Kanada. Viel lernen und Erfahrung sammeln durfte er auch in Utting und beim Probedienst in Gangkofen.

Wichtig ist dem 41-Jährigen der ökumenische Blick über den Tellerrand. Kirche könne nur so in eine gute Zukunft gehen. Heiko Timm greift gern zur Gitarre, um abzuschalten und zu entspannen. Ins Kauferinger Pfarrhaus ist er mit seiner ebenfalls 41-jährigen Frau Lydia und dem fünfjährigen Sohn Timotheus eingezogen.

Romi Löbhard, Landsberger Tagblatt, 15.01.26


Bild: „Auf gute Nachbarschaft!“ so fasste Pfarrer Siegfried Martin (links) von der Landsberger Christuskirche seine Wünsche an Heiko Timm zusammen. Pfarrer Siegfried Martin, Pfarrer Heiko Timm
Foto: Romi Löbhard