Wort zur Woche von Pfarrerin Bia Ritter

Nicht noch einmal!

Je näher ein Unglücksort liegt, desto mehr geht einem das zu Herzen. Man fühlt sich irgendwie selbst bedroht. So geschehen nach den eingehenden Informationen über die Hochwasserkatastrophe. Fast zwei Wochen ist sie her – im Westen und Süden unseres Landes – und die Nachrichten über die Folgen reißen nicht ab. Immerhin eine erfreuliche Auswirkung ist die enorme Hilfs- und Spendenbereitschaft der Landsleute. Gebrauchsgüter trafen in großen Mengen ein, Spendengelder fließen bis heute. Was nur macht das mit den Betroffenen? –

Viele sind einfach überwältigt von so großem Einsatz seitens der Mitbürger. Man unterstützt einander tatkräftig bei den Aufräumarbeiten: Nachbarn, doch ebenso Menschen, deren Namen man nicht einmal kennt. Tief bewegt und dankbar nehmen die Geschädigten das wahr. Viele erfahren vielleicht erstmalig bewusst Barmherzigkeit in ihrem Leben, fühlen sich reich beschenkt und danken mitunter sogar unserem Gott. Möglicherweise spüren sie Gottes aufhelfende Nähe so stark wie noch nie zuvor.

Vor lauter Aktivität hat man die Verluste noch kaum realisiert. Erst weit später wird den Betroffenen noch Wertvolles aus ihrem Haushalt einfallen, das unwiederbringlich verlustig gegangen war in den Fluten. Folglich wird es noch Jahre brauchen, bis die Trauer darüber seelisch verarbeitet sein wird. Kein Mensch möchte so etwas durchmachen müssen!

Nun sind die Herren und Damen der Politik herausgefordert. Es müssen Maßnahmen entwickelt und getroffen werden, die Naturkatastrophen nachhaltig vorhersehbarer machen (Warnsysteme)!

Die Tatsache, dass längst auch in Europa der Klimawandel offenbar ist, trägt sicher dazu bei, dass sich derart viel Hilfsbereitschaft eingestellt hat. Wir sind – eine bittere Erkenntnis – a l l e daran schuld, dass die Natur sich wehrt und zurückschlägt; unsere konsumgeile Lebensweise belastet bekanntlich hochgradig unsere Umwelt. Ein Umdenken ist seit langem angesagt. Doch ist dies in allen Köpfen der MitbürgerInnen angekommen?!

Mein Gebet dazu:

Herr, unser Gott, du traust einem jeden von uns viel zu. Lass uns ernsthaft unseren Lebensstil überdenken. Hilf uns, Deine wunderbare Schöpfung auf dieser Erde zu bewahren, so dass ein jeder/eine jede den eigenen Anteil daran begreift und konsequent in Taten umsetzt! Es fällt zwar nicht eben leicht, deshalb halte uns auf diesem konstruktiven Kurs „bei der Stange“. Allein das Verhalten jedes einzelnen von uns kann ja bewirken, dass so ein schreckliches Hochwasser uns nie wieder ereilt, weder im Westen, noch im Süden unseres Landes, noch sonst wo. Du allein vermagst es, Herr, Sinne und Herzen tiefgreifend für den verstärkten Schutz allen Lebens zu gewinnen. Amen

Es grüßt Sie und Euch Leser und Leserinnen

Pfarrerin Bia Ritter