Wort zur Woche von Pfarrerin Bia Ritter

Wie das Leben so spielt
Am vergangenen Sonntag ist in allen evangelischen Kirchen ein Bibeltext zu verkündigen gewesen, der viel Aufschluss gibt über die Weise, wie das Leben so „spielt“. Hoch-zeiten, gute Tage, an denen alles leicht von der Hand geht; jedoch auch mal schlechte Tage, die einen zu vernichten drohen, die erlebt ein jeder. Viele Pfarrer werden am Sonntag zu einem anderen Schriftwort gesprochen haben in der Meinung, jetzt, in der Zeit der wieder-auflebenden Betriebsamkeit, die seit den deutlich niedrigen Inzidenzwerten wieder möglich geworden sind, solle ermutigt werden zu ausgedehnter Aktivität im eigenen Umfeld. Doch die Jona-Geschichte vermittelt desgleichen Lebensmut, nur nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar…
Der Vorname Jonas ist seit langem gängig unter jüngeren Männern. Er geht auf den Propheten Jona zurück, der in Palästina wirkte etwa um 500 vor Christus. Viele Eltern, die ihren Sohn Jonas nannten, ist dieser Ursprung des Namens bewusst.
Erzählt wird in dem zweiten Kapitel des kurzen Buches Jona anschaulich vom Werdegang des Propheten. Gemeinsam mit anderen ist er auf dem Meer unterwegs, während ein heftiger Sturm aufkommt. Zuvor hatte Jona den Auftrag von Gott erhalten, die Bürger der Stadt Ninive zu warnen vor Gottes Strafe, da sie schwer gesündigt hatten. Nun aber, während das Schiff in Seenot gerät, legt er sich tief unten nieder und täuscht vor, der Orkan gehe ihn nichts an. Die Mannschaft jedoch ist in heller Aufregung, ein jeder fleht seinen (eigenen) Gott an, er möge Linderung senden. Ja, in der Not sollen alle möglichen Heilbringer und Heilmittel herhalten, um Rettung herbeizuführen, damals war es so, nicht anders heute. 
Jona wird schließlich vom Kapitän bekniet, er möge s e i n e n Gott um Rettung anflehen. Längst hatte die Mannschaft Ladung abgeworfen, doch reichte es nicht, so dass Jona verdächtigt wird, der Grund allen Übels zu sein. Schließlich bekennt dieser, dass seine Person schuld sei an dem Unglück. Man fragt ihn, warum er sich der Mannschaft zugemutet habe und was seiner Meinung nach zu tun wäre, um Abhilfe zu schaffen. Sehr klug! Sie stellen eine offene Frage, anstatt vorschnell einen Vorwurf zu äußern. Ich kenne es so: Oft wird in einem sich anbahnenden Konflikt sofort „scharf geschossen“ mit fatalen Folgen. Eine Frage, treffend gestellt, ist hingegen ein Türöffner für einen Lösungsansatz und führt konstruktiv weiter.
Jona erklärt sich am Ende bereit, sich zur Entlastung der Fracht ins Meer werfen zu lassen. Der Orkan legt sich prompt. Die verbleibenden Männer lassen von ihren Göttern ab und danken dem Gott Jonas, dem Gott Israels, dem auch Christen vertrauen bis heute. Jona wird, oh Wunder, gerettet: Ein gigantischer Fisch verschluckt ihn, so dass er drei Tage und drei Nächte lang geborgen im Bauch des Fisches nachsinnt und Dankgebete hält, die eingehend wiedergegeben werden (Jona, Kapitel 2). Sie münden in die Worte: „Aber DU hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!“ Er beschließt, bald ein Dankopfer zu bringen,- so etwas ist auch heute noch denkbar für die Menschen, die Rettung und Bewahrung erfahren haben als von Gott geschenkt.
In unserer Gemeinde haben Menschen mir anvertraut, wie sie in gefahrvollen Zeiten über die Runden gekommen sind durch ihr Vertrauen, dass Gott ihnen einen Ausweg aus der Notlage ebnen würde. Ihnen steht Jesus vor Augen, wie er sich Mitmenschen liebevoll angenommen hat mit der Absicht, sie aufzurichten. – Derzeit erfreuen wir uns zusehends wieder persönlicher Begegnungen ohne Furcht vor Ansteckung. Man ist voller Zuversicht und hofft, „über den Berg“ zu sein mit der Pandemie. Wir alle werden gewiss diese Tief- dann Hoch-Zeit unseres Lebens niemals vergessen können. Ich hoffe, dass unsere Mitmenschen Dank empfinden können und ihn im Gebet vor Gott bringen für diese angenehme Sommerzeit, die wir aufatmend erleben dürfen. Gott zu danken ist nicht nur eine förmliche Geste. Es schenkt eine Kraftquelle, die nie versiegen wird! 
Es grüßt Sie und Euch recht herzlich
Pfarrerin Bia Ritter