Gemeinde zeigt sich zum Kirchweihfest kreativ

(Bericht aus dem Landsberger Tagblatt vom Montag, 17. Oktober 2011) 

Feiertag Evangelische Kirche eröffnet im Jugendhaus einen Raum, in dem sich individuelle Begabungen entfalten sollen. Sanierungsarbeiten an der Christuskirche gehen planmäßig voran

VON CHRISTIAN PACKHEISER

Cornelia Meyer eröffnet den Kreativkeller
Cornelia Meyer aus Landsberg durfte den neuen Kreativkeller eröffnen, weil sie bei einer Tombola das Gewicht des Diakons Andreas Brückner (links) erraten hatte.

 

 Innere der Christuskirche als Großbaustelle
Im Innern sieht die Christuskirche in Landsberg noch nach einer Großbaustelle aus, doch die Arbeiten sollen bis Weihnachten abgeschlossen sein. Fotos: J. Leitenstorfer

(Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie)


Landsberg Sie muss sich vorgekommen sein wie eine Prinzessin in einem orientalischen Märchen: Auf einer Sänfte wurde Cornelia Meyer aus Landsberg zum evangelischen Kindergarten getragen, wo sie gestern die Einweihung des neuen Kreativraums vornahm, der daraufhin für einen Tag ihren Namen trug. Diese Ehre wurde ihr zuteil, weil sie zuvor bei einer Tombola das Gewicht des Diakons Andreas Bruckner erraten hatte – das beide jedoch geheim halten.
Die Eröffnung des Raumes erfolgte im Rahmen des Kirchweihfestes, das die evangelische Gemeinde wegen der Sanierungsarbeiten in der Christuskirche in abgespeckter Form durchgeführt hat: Somit fanden eine Matinée mit anschließendem Gottesdienst im Gemeindehaus sowie ein Unterhaltungsnachmittag im Kindergarten statt. Bis Weihnachten sollen die Arbeiten in der Kirche abgeschlossen sein, sodass die Geburt Christi wieder in würdevollen Räumlichkeiten zelebriert werden kann.
„Wir haben das Kirchweihfest kleiner gehalten, weil uns ja kein Gotteshaus zur Verfügung steht. Dafür bietet die Einweihung unseres Kreativkellers einen Ausgleich“, sagt Pfarrer Detlev Möller. Mit dem neu gestalteten Raum im Gebäude des Kindergartens soll das im Jahr 2005 eingerichtete Jugendhaus aufgewertet werden. Zwar gebe es bereits einen Spiele-, einen Meeting und einen Computerraum sowie eine Küche, jedoch habe noch etwas gefehlt, wo die Kinder und Jugendlichen selbst handwerklich aktiv werden können. Genau dies soll sich nun ändern und die Besucher beispielsweise die Möglichkeit erhalten zu basteln, Specksteine zu schnitzen oder selbst angefertigte Töpferkunst im hauseigenen Tonofen zu brennen. „Wir streben ein ganzheitliches Konzept an, mit dem die Kinder erfahren sollen, dass sie nicht nur zu Hause vor dem PC sitzen müssen, sondern ihre manuellen und individuellen Begabungen entdecken können“, sagt Möller. Zwar müssten in nächster Zeit noch Gegenstände angeschafft werden, jedoch seien die Arbeiten am Kreativraum im Wesentlichen abgeschlossen.

Die Kirche erinnert an eine Großbaustelle

Etwas anders dagegen ist die Situation in der Christuskirche nebenan: „Dort sieht es noch gewaltig nach einer Großbaustelle aus“, sagt Pfarrer Möller. Der Grund dafür sei das Gerüst im Innern, das bis Ende Oktober für die Arbeiten der Maler benötigt wird. Diese seien damit beschäftigt, die Wände zu streichen und die Deckenfresken zu überarbeiten. Das Problem war laut Möller, dass deren Farbe über die Jahre derart gealtert ist, dass man sie mit der bloßen Hand verwischen konnte. Veraltete Elektrik, überholte Sicherheits- und Brandschutzvorkehrungen seien weitere Gründe, wieso die Renovierung notwendig wurde. „Außerdem war es naheliegend, die Kirche vor ihrem hundertsten Geburtstag auf Vordermann zu bringen“, sagt der Pfarrer.
Nach den Malerarbeiten gebe es einiges an Restarbeiten zu erledigen. Sobald das Gerüst entfernt ist, bekomme der Terrazzoboden seinen Feinschliff, der anstelle des „unansehnlich gewordenen Parketts“ verlegt wurde. Etwa zur gleichen Zeit werde der Altar wieder eingesetzt, jedoch ohne die beiden Stufen, auf denen er bisher ruhte, sodass sich die Kirchengemeinde zum Abendmahl versammeln kann. Erst nach diesen Arbeiten sei es möglich, die Bänke wieder anzubringen. „Außerdem bekommt die Kirche ein neues Kruzifix, das von einem Schlosser angefertigt wird“, sagt Möller.
Daneben werde eine Umgestaltung der Taufkapelle vorgenommen. Auch solle es anstelle der vielen kleinen Liedertafeln nur noch eine große Anzeige geben. „Selbst für die Gedenktafeln haben wir uns etwas überlegt“, sagt der Geistliche. Statt der beiden alten Platten werde eine Skulptur die Kirche zieren, die in Form einer Erdkugel gearbeitet ist und Namen wie Auschwitz oder Stalingrad trägt, was an das Unrecht in der Welt gemahnen soll.
Dass dies bis Weihnachten erreicht werden kann, ist sich Pfarrer Möller sicher: „Wir liegen im Zeitplan.“ Auch in finanziellen Belangen gibt sich der Geistliche zuversichtlich, da die angestrebte Summe für die Renovierung nicht überschritten wird. Zwar sei es ein Rückschlag gewesen, dass man vom Landesamt für Denkmalpflege weniger Zuschüsse als geplant zugesprochen bekommen habe, weswegen nun erneut mit der Behörde verhandelt wird, jedoch seien viele Spenden für das Projekt eingegangen.

 

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