Das Landsberger Tagblatt schrieb am 26. September 2008:
Dramatisch, teilweise opernhaft
Musik – Jiddische Liebeslieder und Lieder für den Gottesdienst
VON ROMI LÖBHARD
Landsberg – Weinen und Wehklagen scheinen Fremdwörter zu sein in den Liedern für die jüdische Liturgie. Dieser Eindruck entstand bei einer weiteren Veranstaltung der Jüdischen Tage in Landsberg, zu denen die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Landsberg derzeit einlädt. Unter dem Titel „Bin ich nur für mich, was bin ich?“ wurden Lieder für den jüdischen Gottesdienst und jiddische Liebeslieder zu Gehör gebracht. Ausführende waren der Kulturleiter der jüdischen Gemeinde Augsburg, Kantor Nicola David und die Organistin Natasa Zizakov aus Hamburg.
Beide stammen aus Serbien. Musik und Gesang seien sehr wichtig in der jüdischen Liturgie, sagte Pfarrer Detlef Möller zu Beginn, der Kantor habe einen entsprechend hohen Stellenwert. „Er führt durch den jüdischen Gottesdienst. Dieser Aufgabe war der erste Teil des Abends, in der Christuskirche, gewidmet. Kantor Nicola David lieferte vor den Gesängen in hebräischer Sprache die Übersetzungen. In den Texten ist sehr viel von Lob und Preis die Rede, es schwingt stets ein Urvertrauen in den allmächtigen Gott mit. „Gelobt seist du, der das Gebet erhört.“ Die Vertonungen sind dramatisch, teilweise opernhaft und dem Kantor obliegt es, sie entsprechend auszugestalten. Das tat Nicola David, ein hochmusikalischer, ausgebildeter Opernsänger, überzeugend und mit Hingabe. Er steigerte die Aussagekraft der Texte über die Musik, beeindruckend seine stimmliche Leistung. Die Instrumentalbegleitung spielt eine wenngleich untergeordnete, so doch stabilisierende Rolle. Organistin Natasa Zizakov stellte die Orgel dementsprechend ganz in den Dienst des Kantors.
Verliebte Näherin, armer Schneider
Im zweiten Teil des Abends, für den Zuhörer und Akteure in den Gemeindesaal umgezogen waren, gab es einigen Anlass zum Schmunzeln. Jiddische Liebeslieder erzählen zwar auch vom Leid, das die Liebe mitunter so mit sich bringt, den Erzählungen sitzt jedoch stets der Schalk im Nacken. Und ein positiver Ausblick auf neue Liebesfreuden. Nicola David las auch hier wieder zunächst die Übersetzungen, bevor er – in gut verständlichem jiddisch – von der verliebten Näherin oder dem armen Schneiderlein sang, die von der Liebe in Wechselbäder der Gefühle getaucht werden. Natasa Zizakov jetzt am Flügel, erwies sich als exzellente Begleiterin beziehungsweise gleichwertige Partnerin des Sängers.
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Nicola David singt und liest vorab die Übersetzungen vor. |
Bei einer kleinen Fragerunde am Ende des Konzerts betonte Nicola David die Wichtigkeit von Musik und Gesang im Gottesdienst. „Menschen finden sich über die Musik zusammen“, sagte der Augsburger Kantor, „und Singen bringt die Leute zum Gottesdienst.“
